Zwischen den europäischen Metropolen herrscht ein reger Verkehr von Schnellzügen. Hierbei sind, abhängig von der Strecke und den Regionen, höchst unterschiedliche Zugtypen im Einsatz. Ausstattung, Geschwindigkeit und zulässige Tickets sind sehr verschieden. Auch Wi-Fi gehört leider nicht in allen Zügen zur Standardausstattung. Gleiches gilt für ein Bordrestaurant und Serviceleistungen. Eine Übersicht der unterschiedlichen Zugtypen und Linien in Europa.

1. EuroCity (EC): Der gemütliche Klassiker

Tschechischer EuroCity: Besonders empfehlenswert ist hier das nostalgische Bordrestaurant

Diese Zuglinie gehört meinen absoluten Favoriten. Eingeführt wurde das europäische EuroCitynetz (EC) 1987, um die Mobilität innerhalb Europas zu erhöhen.
Als verbindliche Standards gelten:

  • Grenzüberschreitender Verkehr, möglichst kurze Grenzaufenthalte
  • Vorhandenes Bordrestaurant mit Speiseplan für die Hauptmahlzeiten
  • Mehrsprachiges Zugpersonal: Englischkenntnisse sind meist vorhanden
  • Klimatisierte Wagen in der 1. und 2. Klasse
  • Überwachung der Pünktlichkeit
  • Halt nur in Großstädten

Für die Nutzung des EC sind Zugkarten für den Fernverkehr notwendig. Erfreulicherweise sind diese günstiger als für den ICE. Allerdings dürfen diese auch nicht in den Premium-Schnellzügen ICE, TGV und Thalys genutzt werden. Andersherum ist selbstverständlich eine Nutzung möglich.
Nicht gültig sind hingegen Karten für den Regionalverkehr, wie z.B. Ländertickets. Inhaber einer gültigen BahnCard können sich über die üblichen Rabatte beim Kauf des Tickets freuen.
Der für mich attraktivste Aspekt für die regelmäßige Nutzung des EuroCitys ist der nationale Charakter des Zuges. Sitze und Interior enthalten landestypische Elemente. Gleiches gilt für den Speiseplan im Bordrestaurant. Hier herrschen große Unterschiede zwischen den einzelnen Linien. Sowohl preislich als auch kulinarisch. Gemeinsam hingegen ist bei nahezu allen älteren EuroCity Zügen, dass es kein funktionierendes Wi-Fi-Netzwerk gibt. Allerdings bleibt so mehr Zeit für ein Buch oder die Aussicht zu genießen.
Eine Fahrradmitnahme ist ebenfalls in allen ECs möglich. Spezielle Aufhängevorrichtungen befinden sich in der Regel am Anfang und Ende des jeweiligen Zuges. Für Fahrräder besteht im Vorfeld eine Reservierungspflicht. Spontane Mitnahmen sind nicht möglich.

1.1. EuroCity Schweiz: Zürich nach Hamburg im Panoramawagen

Der EuroCity zwischen Zürich und Hamburg bietet malerische Ausblicke

Zwischen der Schweiz und Deutschland verkehren verschiedene EC-Linien. Eine führt von Hamburg bis nach Zürich. Zwischenhalte sind u.a. Bremen, Münster, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Koblenz und Mainz.
Besonders erwähnenswert ist der Streckenabschnitt zwischen Köln und Mainz. Dieser führt entlang Rheins, vorbei an der Loreley, Burgen, Weinbergen und einer historischen Zollstation.
Zu den Höhepunkten des Zuges gehört der Panoramawagen in der 1. Klasse. Die großen Fenster ermöglichen eine optimale Aussicht und hellen den Waggon angenehm auf. Ein weiterer Hingucker ist das gepflegte Bordrestaurant aus den 90er-Jahren.

Leider sind die angebotenen Speisen nicht so preiswert wie in der tschechischen Variante des EuroCity.

1.2. EuroCity Osteuropa: Nostalgie pur im Bordrestaurant

EuroCity Bordrestaurant: Rote Sitze, Tischlampen und eine nostalgische Atmosphäre
Rote Ledersitze, Tischlampen, deftiges Essen, zahlreiche Biersorten und guter Service: Das Bordrestaurant im tschechischen EC lässt wenig zu wünschen übrig

Aus meiner persönlichen Sicht gibt es kaum einen angenehmeren Ort für eine Zugreise, als das Bordrestaurant in einem osteuropäischem EC. Dieser Zugtyp wird vor allem auf Strecken in Deutschland, Tschechien, Slowenien, Slowakei und Ungarn eingesetzt. Der klassische Ostblockcharme schwingt nach wie vor in vielen Waggons mit. Insbesondere der Speisewagen im tschechischen EC 171 Johannes Brahms, ist sehr empfehlenswert.
Die Speisen werden frisch gebraten und kommen nicht aus der Mikrowelle. Der Lendenbraten ist für 10,90€ erhältlich. Ein Stück Ente mit Beilage und Salat kostet 8,70€. Zum Vergleich: Im EC der Schweiz kostet der Cesar Salad alleine schon 16,80€. Ein großes Bier (0,5) ist im tschechischen EuroCity schon für 3,60€ erhältlich. Auf der Karte stehen Grambrinus, Pilsner Urquell und weitere, hochwertige Biersorten, die in traditionellen Krügen serviert werden.

Die Route des tschechischen EC 171 führt von Hamburg nach Prag über Berlin und Dresden. Bemerkenswert ist auf dieser Strecke vor allem der Abschnitt durch die Sächsische Schweiz, der hinter Dresden und durch die Grenzstadt Bad Schandau führt.


Weitere Strecken des osteuropäischen EuroCitys sind u.a.:

  • Budapest – Hamburg via Prag und Bratislava
  • Prag – Berlin
  • Budapest – Kosice
  • Beograd – Budapest
  • Budapest – Wien

1.3. Dänischer EuroCity: Die „Gumminase“

Dänischer EuroCity am Haupbtbahnhof in Hamburg mit dem Ziel Kopenhagen

Im Vergleich zu den EuroCity-Zügen aus Osteuropa und der Schweiz stellt der dänische EC einen klaren Kontrast dar. Optisch fällt die „Gumminase“ sofort durch das einzigartige Design auf, das sich deutlich von allen anderen Zügen abhebt und ein klares Alleinstellungsmerkmal darstellt.
Aber auch das Innenleben ist sehr unterschiedlich. Ein Bordrestaurant sucht man als Fahrgast leider vergeblich. Dafür empfangen einen breite, komfortable Sitze. Ergänzend hierzu befinden künstlerisch gestaltete Plakate in den Innenräumen. In einigen Waggons auch Zeichnungen, die eher an Kinderbücher erinnern.
Obwohl außen ein großes Wi-Fi Symbol zu sehen ist, sollte nicht mit einer funktionierenden Verbindung gerechnet werden. Die Fahrradmitnahme ist auch hier möglich. Genau, wie bei den EC Linien aus der Schweiz und Osteuropa, befinden sich Stellplätze im vorderen und hinteren Teil des Zuges.

1.4. EuroCity-Express: Von Frankfurt nach Mailand

Seit 2017 existiert eine neue Schnellverbindung des EC zwischen Deutschland und Italien. Der EuroCity Express (ECE) fährt von Frankfurt über Zürich nach Mailand.
Im Vergleich zu den regulären ECs erreicht die Expressvariante eine Spitzengeschwindigkeit von über 250 km/h. Allerdings kostet dieses extra an Geschwindigkeit auch eine Kleinigkeit mehr. In Deutschland unterliegt der ECE den ICE-Tarifen und ist damit teurer als normale EuroCity-Züge.

EuroCityExpress (ECE) im Bahnhof Zürich
EuroCity Express (ECE) am Hauptbahnhof in Zürich mit dem Ziel Frankfurt

Wie buche ich einen EuroCity Zug?

Fahrkarten für den EuroCity sind auf regulären Buchungsportalen wie bahn.de erhältlich. Es reicht einfach die gewünschte Strecke einzugeben und die verfügbaren Verbindungen werden angezeigt. Hierbei wird auch der Zugtyp angegeben. Der günstigste Preis liegt bei 18,90€ für eine Fahrt von Berlin nach Prag mit dem Super-Sparpreis Europa.

Screenshot: Ticketbuchung bei bahn.de für die Strecke von Hamburg nach Prag © 2020 Deutsche Bahn

2. Intercity-Express (ICE): Mit Highspeed durch Deutschland und Europa

ICE Hamburg Innenstadt
ICE in Hamburg bei der Überquerung der Alsterbrücke. © 2020  Deutsche Bahn AG / Foto: Eigene Erstellung

Der Intercity-Express ist der schnellste Zug in Deutschland. Insgesamt existieren 4 verschiedene Generationen (ICE 1-4) mit dazu unterschiedlichen Bauserien.
Am weitesten verbreitet ist der ICE 3 mit insgesamt 80 vorhandenen Exemplaren. Die dritte Generation ist auch die einzige, die eine Spitzengeschwindigkeit von über 320km/h erzielt. Der ICE 4 erreicht lediglich 250 km/h. Allerdings beschränken sich die Hochgeschwindigkeitsstrecken, auf denen Spitzengeschwindigkeiten von über 300 km/h erzielt werden, aktuell auf sehr wenige Trassen.

Alle ICE-Züge sind mit Wi-Fi ausgestattet. Zwischen den Sitzen befinden sich Steckdosen zum Aufladen von elektronischen Geräten.
Das Bordrestaurant befindet sich in der Regel direkt zwischen der 1. und 2. Klasse. Deutschlandweit existieren knapp 180 ICE-Bahnhöfe. Zwischen einigen Metropolen in Deutschland existieren extrem schnelle Direktverbindungen mit wenig Zwischenhalten. Von Hamburg nach Frankfurt benötigt der ICE für die über 500 km lange Strecke gerade einmal 3:21 Stunden. Weiterhin verkehrt der Intercity-Express auch in den Nachbarländern Österreich, der Schweiz, Belgien Frankreich und den Niederlanden.

Bemerkenswert günstige Tickets bei einer frühen Buchung


Das günstigste ICE-Ticket für eine Reise durch Deutschland kostet 17,90€. Sparpreise für europäische Ziele sind ab 18,90€ erhältlich. Voraussetzung für diese günstigen Zugtickets ist eine Buchung weit im Voraus. Idealerweise schon 6 Monate vor dem Antritt der Reise. Aber wenige Wochen vor Fahrtantritt können mit etwas Glück noch preiswerte Fahrkarten verfügbar sein. Insbesondere, wenn zeitliche Flexibilität herrscht und auch sehr frühe oder späte Verbindungen in frage kommen. In unregelmäßigen Abständen bietet die Deutsche Bahn Aktionen an, die Zugang zu noch günstigeren Tickets ermöglichen. Hierzu zählen beispielsweise Super-Sparpreis Young. Junge Menschen unter 27 Jahren haben damit die Option ein Ticket für 12,90 € innerhalb des Aktionszeitraumes zu erhalten.
Die Mitnahme eines Fahrrades ist bei ICE Zügen nur auf ausgewählten Strecken möglich und sollte vor Antritt der Fahrt überprüft werden. Die Modelle 1-3 bieten keinen extra Plätze für Fahrräder. Lediglich der neue ICE 4 hat für Drahtesel vorgesehene Plätze. Für die Mitnahme sind eine Reservierung sowie eine zusätzliche Fahrkarte notwendig.

3. InterCity: Mehr Zwischenhalte, weniger Komfort

Intercity (IC): Älteres Modell eines IC Steuerwagen mit Elektrolok im Anhang

Im Vergleich zum Intercity-Express (ICE) ist der normale Intercity (IC) deutlich langsamer. Die Reisegeschwindigkeit beträgt in der Regel zwischen 160 – 200 km/h. Die eingesetzten Züge sind deutlich als die ICEs.
Im Gegenzug sind die Tickets etwas günstiger und es werden deutlich mehr Bahnhöfe angesteuert.


Zwischen den IC Typen gibt es deutliche Unterschiede. Die neueren, zweistöckigen ICs verfügen teilweise über WiFi und Steckdosen zwischen den Sitzen. Dafür fehlt hier ein Bordrestaurant. Die älteren ICs dagegen haben weder WiFi noch Steckdosen anzubieten, dafür aber ein kleines Bordbistro, in dem eine überschaubare Auswahl an Getränken und Speisen angeboten wird. In nahezu allen ICs ist die Mitnahme eines Fahrrades möglich. Hierfür ist eine extra Reservierung sowie eine zusätzliche Fahrkarte notwendig.

4. Norwegischer Schnellzug Vy: Leiser geht es kaum

Norwegischer Schnellzug Vy im Hauptbahnhof von Göteborg mit dem Ziel Oslo

Zugfahren in Skandinavien ist ein empfehlenswertes Vergnügen. Die Züge sind in der Regel sehr gepflegt. Hinzu kommt eine sagenhafte Landschaft. Insbesondere die Strecke von Göteborg nach Oslo bietet eine extrem sehenswerte Aussicht. Daher sollte ein Flug absolut gemieden werden, um diese Landschaft nicht zu verpassen. Und natürlich auch, um CO2 einzusparen.
Der norwegische Schnellzug Vy hat zudem den Vorteil, dass dieser kaum Geräusche in das innere des Waggons durchlässt. Keine Zugfahrt bisher war geräuschärmer. Absolut entspannend.
Zusätzlich ist ein stabiles Wi-Fi Netzwerk vorhanden. Kaffee gibt es gratis dazu. Leider ist ein Bordrestaurant Fehlanzeige. Man kann nun mal nicht alles haben.
Im Vergleich zu anderen Produkten im hochpreisigen Skandinavien sind Zugtickets relativ günstig. Für eine Fahrt von Göteborg nach Oslo habe ich gerade einmal 35€ bezahlt.

5. inOui (TGV): Komfortabel durch Frankreich

TGV auf der Strecke von Frankfurt nach Paris

Der TGV gehört neben dem österreichischen Railjet und dem deutschen ICE zu den modernsten Zügen in Europa. Die doppelstöckigen Schnellzüge verbinden die Großstädte von Frankreich miteinander. Zudem verkehren sie auch in den Nachbarländern Deutschland, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Niederlande und UK.
Die Betreiberfirma SNCF hat im Jahr 2017 beschlossen den TGV in inOUI (in-o-wie) umzubenennen. Dies geschah im Rahmen einer Modernsierungs- und Serviceoffensive. Dennoch ist die Bezeichnung TGV absolut geläufig für den französischen Schnellzug.
Alle Züge sind mit Wi-Fi ausgestattet. Zudem existiert eine Online- und Entertainment Plattform mit einem integrierten Chatbot, der bei Serviceanfragen weiterhilft.
Die Züge verfügen ebenfalls über ein eigenes Bistro, in dem kalte und warme Speisen zu sich genommen werden können. Im Vergleich zu den Bordrestaurants im EC, Railjet und ICE, handelt es sich hier eher um kleine Snacks, anstatt um wirklich vollwertige Mahlzeiten.

6. Railjet: Service der Extraklasse

Railjet des österreichischen Anbieters ÖBB

Der Railjet (RJ) gehört zu meinen absoluten Favoriten. Kein anderer Zug in Europa ist moderner ausgestattet. Neben der 1. und 2. Klasse gibt es noch eine Business-Klasse, die über extra große Sitzabstände verfügt. Das Wi-Fi funktioniert einwandfrei und die Sitzreihen bieten in allen Kategorien Steckdosen an.

Business-Klasse Sitz im österreichsichen Railjet

In der Business-Klasse besteht die Möglichkeit, die Bestellung den Platz geliefert zu bekommen. Alternativ kann der Besuch im Bordrestaurant erfolgen.
Der Railjet verbindet neben den österreichischen Großstädten Wien, Linz, Klagenfurt und St.Pölten zahlreiche Ziele in den Nachbarländern. Von Wien aus existieren Direktverbindungen nach Budapest, Prag, Zagreb, Warschau und Zürich. Die dazugehörige Nachtzuglinie heißt Nighjet (NJ) und verbindet u.a. Hamburg mit Wien.

7. Eurostar: Schnellzugverbindung zwischen Frankreich, UK, Niederlande, Deutschland und Belgien

Sitz der Eurostar Int. Ltd. ist London. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus einem Zusammenschluss der französischen Bahngesellschaft SNCF, der belgischen SNCB sowie der britischen Bahngesellschaft BR.
Von der britischen Hauptstadt führen die Verbindungen durch den Eurotunnel nach Paris, Brüssel, Amsterdam, Rotterdam, Köln und Frankfurt. Abfahrtsbahnhof in London ist die Station St. Pancras. Da Großbritannien kein Mitglied des Schengen-Raumes ist, finden hier vor dem Zutritt zu den Gleisen Passkontrollen statt. Daher sollte bei Fahrten von und nach GB eine Vorlaufzeit von 45 – 60 Minuten vor Abfahrt des Zuges mit eingeplant werden. Die Kontrollschalter schließen bereits 30 Minuten vor der Abfahrt des Zuges. Bei Verbindungen zwischen den Mitgliedsstaaten des Schengenraumes erfolgen Passkontrollen in der Regel nur stichprobenartig an Bord.

Von Paris nach London in 2:20 Stunden mit 300km/h

Video Credit: Wingin It – Paul Lucas. Von London nach Paris durch den Eurotunnel


Das Zugmodell des Eurostars basiert auf dem französischen TGV Atlantique. Unterwegs wird eine Reisegeschwindigkeit von knapp 300 km/h erreicht. Die Verbindung von Paris nach London dauert gerade einmal 2:20 Stunden. Wer hier noch in den Flieger steigt, ist selbst schuld.

Alle Züge sind mit Wi-Fi ausgestattet. Passagiere der Ticketklasse Standard Premier können sich über einen kleinen Snack und ein Getränk freuen, dass an den Platz gebracht wird. Business Premier Kunden erhalten eine vollwertige Mahlzeit entsprechend der Tageszeit. Reisenden der Klasse Standard steht das Bordrestaurant zur Selbstversorgung zur Verfügung.
Preislich gehören die Eurostar-Züge zu den teuersten in Europa. Eine einfache Fahrt von London nach Paris kostet in der Kategorie Business Premier stolze 308€. Das Standard Ticket liegt im Normalpreis bei 220€.
Günstige Zugtickets gibt es für den Eurostar meist nur mit viel Vorlaufzeit. Und das auch meist nur für die Kategorien Standard und Standard Premier. Abhängig von der Auslastung können bei einer Buchung von vier Wochen im Voraus Standard Tickets für 65€ erhältlich sein.